Hitze-Opfer Gaby
Olympische Spiele, Los Angeles, 1984, Marathon

„Das Coliseum in Los Angeles ist 1984
der Schauplatz eines olympischen Dramas:
77 000 Zuschauer beklatschen die
Marathonläuferinnen, die die letzten
500 Meter auf der Tartanbahn absolvieren.
Doch eine der Läuferinnen läuft
nicht – sie torkelt. In Schlangenlinien
wankt sie über die Bahn, der Körper
ausgedörrt. Es ist die Schweizerin
Gaby Andersen-Schiess (39). Sieben
Minuten braucht sie für die 500 Meter.
Sieben Minuten, in denen die TV-Welt
Zeuge wird von einer total dehydrierten
Athletin. Nach der Ziellinie messen
die Ärzte eine Körpertemperatur von
41,2 Grad!
Kritik wird laut. Hätte der Sender ABC
das grausame Spektakel ausblenden
er gerät ins Kreuzfeuer. Grund: Er änderte
den Programmablauf nicht – so,
als sei alles paletti. Doch warum war
die Schweizerin so ausgetrocknet? Sie
verpasste bei Kilometer 40 den Verpflegungsstand
und rannte weiter in
der irrigen Meinung, das Ziel sei nur
noch wenige hundert Meter entfernt.
Später sagte sie: «Ich hatte aufgehört
zu denken.» Gaby Andersen-Schiess ist
heute 67. Sie lebt mit ihrem Gatten in
den USA.“ (Gion Stecher)