«Kanzler besoffen?»,
Berliner Runde, 18.9.2005, ARD & ZDF

 „Im Herbst wählt Deutschland, selten war die Ausgangslage so klar. Zu gross Angela Merkels Vorsprung auf SPD-Kandidat Peer Steinbrück. Anders sah das 2005 aus: Damals war sie Spitzenkandidatin der CDU im Kampf gegen SPD-Amtsinhaber Gerhard Schröder. Der zog die Wahl um ein Jahr vor – da die Union im Bundesrat eine Mehrheit hatte, wollte er vom Volk eine Entscheidung. Motto: Alles oder nichts. Fast wäre das aufgegangen, denn CDU/CSU  lagen am 18. Sept. 2005 nur knapp vor der SPD. Für Schröder ein Grund zur überheblichen Machtdemonstration, die er in der TV-Talkrunde am Wahlabend unter Beweis stellte. Gnadenlos putzte er Merkel runter: «Niemand ausser mir ist in der Lage, eine stabile Regierung zu stellen.» Ihr Einwand, dass die CDU als stärkste Partei den Regierungsbildung-Auftrag erhalten werde, quittierte er herablassend-grinsend: «Ich werde Gespräche führen, und die werden erfolgreich sein.» Verdutzt verfolgten die Anwesenden die grosse Gerhard-Show. FDP-Chef Westerwelle sprach aus, was viele dachten: «Ich weiss ja nicht, was Schröder vor der Sendung gemacht hat.» Übersetzt: Womöglich sei er nicht nur von der Wahl berauscht. Der Kanzler, besoffen? Er bestritt das heftig. Ein Tag danach sagte er, zu krawallig aufgetreten zu sein. Am Ende war Merkel Kanzlerin und Schröder Privatmann.“ (GIN)

 

Gerhard Schröder in der Elefantenrunde
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