VW-Doppelpass mit Jörg Wontorra.

Doppelpass mit Jörg Wontorra.

TELE Sie pendeln wöchentlich von Marbella in Südspanien nach München, ist das nicht enorm anstrengend?
JÖRG WONTORRA Nö, das ist sogar relativ einfach. Früher bin ich mit dem Auto etwa von Bremen nach Köln ins Stadion gefahren, und dafür brauchte ich drei Stunden. Das war eher anstrengend, weil ich selber fahren musste. Und heute fliege ich in zweieinhalb Stunden mit dem Flugzeug nach München und kann mich in meinem Sitz entspannt auf die Sendung vorbereiten.

Sie wurden kürzlich in einer Umfrage zum beliebtesten Sportmoderator Deutschlands gewählt, haben Sie das mitbekommen?
Ja, und ich habe mich sehr darüber gefreut. Das ist aber wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass ich so lange im Geschäft bin. Mein Name fällt den Sportinteressierten wohl ziemlich früh ein, wenn sie nach einem Sportmoderator gefragt werden.

Vor drei Jahren gewannen Sie auch den Bayerischen Fernsehpreis. Was bedeuten Ihnen solche Auszeichnungen?
Ich fand das wunderschön und habe mich über den Preis auch sehr gefreut. Eigentlich habe ich gedacht, es wäre in diesem Alter der Preis für mein Lebenswerk. Aber es ist natürlich umso schöner, dass er für die Sendung war, die ich moderiert habe. Das ist ja ganz einfach auch ein Beleg dafür, dass die Sendung vom Publikum und der Jury akzeptiert wird. Es ist also nicht nur eine Auszeichnung für mich, sondern für die gesamte Redaktion und unsere Arbeit. Im Prinzip war es ja ein Spiegelbild der Beliebtheit von „Doppelpass“. Das hat mich am meisten gefreut.

Sie sind seit bald 30 Jahren Fussball-Moderator und feiern Ende Monat Ihren 65. Geburtstag. Ist nun bald fertig für den Rentner Wontorra?
(Lacht.) Also im Geschäft bin ich eigentlich schon bald 40 Jahre, das ist eine lange Zeit. Ich begann 1973 als Volontär beim NDR, habe dann die Ochsentour gemacht und mich wirklich hochgedient von einer Redakteurstelle bis hin zum Moderieren. Und wenn man dann ins sogenannte Rentenalter kommt, denkt man natürlich immer mal wieder darüber nach, wie lange man das noch machen will. Da mir aber die Sendung „Doppelpass“ so gut gefällt, halte ich es mal wie die Fussballer: Die denken in Interviews immer von Spiel zu Spiel. Ich passe mich da an und denke von Sendung zu Sendung.

Das heisst?
Solange es geht, geht es. Solange ich Lust habe, jeden Sonntag meine Gäste zu empfangen, mache ich gerne weiter. Es ist sehr schön, damit meine Woche zu beginnen. So ab Dienstag habe ich häufig viel Freizeit. Ich habe mir meinen Wunschtraum erfüllt: Ich muss nicht mehr arbeiten, ich darf nur noch tätig sein.

„Solange es geht, geht es“ – da wären nun eigentlich drei Euro für das Phrasenschwein fällig…
Das ist richtig (schmunzelt). Das zahle ich aber auch immer sehr gerne und gehe mit gutem Beispiel voran, damit ich meine Gäste ermuntere, dass die halt auch mal zahlen. Das gehört dazu, das beschreibt den Kultcharakter der Sendung. Das Phrasenschwein ist in aller Munde. Das ist in Deutschland auch Leuten bekannt, die die Sendung noch nie gesehen haben.

Wie lange läuft denn Ihr Vertrag mit Sport 1 noch?
Ich habe einen Vertrag bis 2014, der sich nach den Worten meines Chefredakteurs per Handschlag verlängert. Das finde ich in der schnelllebigen Branche eine gute Lösung. Wir haben verabredet, dass wir uns jedes Jahr neu treffen und dann einfach sehen, wie erfolgreich das Format noch ist und wie gross meine Lust ist, daran noch weiter teilzuhaben.

Die Lust ist also noch da?
Ja, es ist wirklich ein grosser Spass, am Samstagnachmittag hinzukommen und mit einer jungen Redaktion zu arbeiten, die unheimlich engagiert ist. Diese Zusammenarbeit hält mich auch im Kopf jung. Für meinen Alterungsprozess wäre es fatal, wenn ich mich nur in den Ruhestand zurückziehen und aufs Golfspielen konzentrieren würde.

Dann stehen Sie also viel auf dem Golfplatz?
Ich spiele einmal in der Woche Golf. Auch das ist eine Massnahme, mich fit zu halten. Das wird ja meistens unterschätzt, denn auf dem Golfplatz muss man ja während den 18 Löchern circa zehn Kilometer laufen, und dafür braucht man viereinhalb Stunden. Und einen Ball zehn Kilometer vor mir herzutreiben, das macht Spass. Am Strand würde ich die zehn Kilometer niemals joggen, ich brauche immer einen Ball dazu.

Hat der Fussball in all der Zeit nichts von seiner Faszination verloren?
Im Gegenteil, Fussball hat sogar eher an Faszination gewonnen. Allein dadurch, weil er Eventcharakter bekommen hat. Wir sind gerade kürzlich noch ein paar Fussballzahlen durchgegangen, und da haben wir festgestellt, dass sich bei der Europameisterschaft 1980 in Italien bei Deutschlandspielen teilweise nur um die 12’000 Zuschauer in die Stadion verloren haben. Heutzutage hat ein normales Bundesligaspiel in Freiburg 25’000 Zuschauer. Daran sieht man schon, wie sich die Zeit verändert hat und wie der Fussball im Leben der Leute wichtiger geworden ist. In Deutschland liegt das natürlich daran, dass wir sehr viele neue Stadien bekommen haben, dass wir Fussball auf einen anderen Sockel gestellt haben und dass durch diesen Eventcharakter ein ganz neues Publikum gewonnen werden konnte.

VW-Doppelpass Maskottchen

(Phrasen)Schwein gehabt!

Wie hat sich der Fussball verändert?
Fussball ist schnelllebiger geworden und wahrscheinlich auch noch professioneller, aber dadurch ist Fussball für mich auch immer spannend geblieben. Er ist keine Einheitskost, die jeden Samstag gleich ist.

Haben Sie eigentlich einen speziellen Bezug zur Schweiz?
Früher hatte ich mal eine Bank da, aber das ist heutzutage nicht mehr ganz so günstig für deutsche Staatsbürger (lacht). Ansonsten habe ich zur Schweiz eine ganz gute Beziehung, weil ich dort ab und zu zum Skilaufen in Andermatt bin. Ich finde es ein wunderschönes Land, gerade im Winter ist es sehr heimelig. Im Sommer habe ich es bisher zu wenig genossen. Im Sport habe ich relativ wenig Bezug zur Schweiz, das muss ich ganz offen gestehen. Früher habe ich vielleicht mal berufshalber das eine oder andere Europapokal-Spiel besucht, aber das war zu einer Zeit, als die Schweiz selbst noch nicht so erfolgreich war im Fussball. Darum ist da nichts so richtig haften geblieben. Heute fällt mir als Erstes die Schweizer Nationalmannschaft ein, aus der Ottmar Hitzfeld sehr viel gemacht hat. Die Schweizer haben zurzeit genauso wie die Deutschen eine goldene Fussballergeneration. Ich kann mir gut vorstellen, dass Hitzfeld mit seiner Mannschaft bei der nächsten WM eine ganz andere Rolle spielen wird als zuletzt. Die Mannschaft ist nochmals sehr viel stabiler und stärker geworden. Wenn sich Leute wie Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka bei uns in der Bundesliga durchsetzen, dann soll das schon was heissen.

Sie haben in Ihrer Karriere auch diverse Unterhaltungsformate moderiert. Haben Sie diese Art von Moderation seither vermisst?
Ganz ehrlich gesagt, nein. Irgendwann habe ich mal eine klare Entscheidung getroffen. Und wenn ich das tue, dann bin ich immer konsequent. Das habe ich in meinem ganzen Leben so gemacht. Als ich 50 wurde, habe ich mir gesagt, jetzt entscheide ich mich entweder für die Unterhaltung oder den Sport. Am Ende ist der Sport dabei herausgekommen, weil es einfach meine Kernkompetenz ist. Damit habe ich begonnen, damit kenne ich mich aus. Und ich glaube, das kann ich auch noch im Schlaf beten. In einem gewissen Alter muss man sich für irgendetwas entscheiden. Dann darf man nicht in der gesamten Medienlandschaft weiter rumspringen, sondern muss sich auf ein Fach konzentrieren, weil man sich sonst verzettelt. Wenn man jung ist, dann hat man noch mehr Kraft, kann viele unterschiedliche Dinge angehen und sehr viel austesten. Die Unterhaltung war ein wunderbarer und sehr fruchtbarer Test für mich, die Sendungen haben mir ganz viel Spass gemacht. Ich schaue auch mit zwei lachenden Augen auf diese Zeit. Das war wirklich eine tolle Phase in meinem Leben, die elf oder zwölf Jahre gedauert hat, aber unter dem Strich hätte ich mich verzettelt, wenn ich weitergemacht hätte.

Sie haben 1997 das Buch «Halbzeit mit Helden» veröffentlicht. Ist noch ein weiteres geplant?
Ich habe lange darüber nachgedacht, bin dann aber zum Entschluss gekommen, auf ein weiteres zu verzichten. Wenn man heutzutage Bücher schreibt, dann muss man wirklich die volle Wahrheit schreiben, sonst ist es nicht interessant. Aber wenn ich über meine Erlebnisse in der Fussballszene die volle Wahrheit schreiben würde, dann – da bin ich mir ziemlich sicher – würde ich eine Menge Freunde verlieren. Da will ich mich selbst ein bisschen schützen (lacht).

Ihre Tochter Laura trat vor einem Jahr in Ihre Fussstapfen, moderiert jetzt auch bei Sport 1. Sie hatten am Anfang nicht so Freude daran.
Ich hatte zuerst Bedenken, dass es meine Tochter alleine durch den Namen schwerer haben würde in der Branche. Denn da gibt es ja doch vielleicht den einen oder anderen Vorbehalt. Aber meine Tochter ist erwachsen, und ich sagte ihr: „Ok, die Entscheidung triffst du selber, ich werde dich immer mit einem Rat begleiten, wenn du ihn willst. Richte dich aber bitte ein auf eine schwierige Anfangszeit ein.“ Und so war es dann auch. Aber sie war sehr lernbereit. Und sie hat – das war meine Bedingung – das Fach von der Pike auf gelernt. Sie weiss also auch, wie man einen Film schneidet, ist also in die Moderation hineingewachsen.

Und jetzt, was ist das Fazit nach einem Jahr?
Da sage ich ganz ehrlich (lacht): Meine Güte, die hat ja richtig Talent, die junge Dame. Und jetzt muss sie einfach schauen, dass sie die Erdnähe behält und dass sie weiter geerdet durch ihr Berufsleben geht. Dann glaube ich, dass wirklich was daraus werden kann.

Das Interview führte unser Sportredaktor Marcel Wyss.