«Dr. Ruth»
Ratgebermagazin, 5. 1. 1988, SRF

Anfang der 1980er-Jahre machte eine nur gerade mal 150 Zentimeter grosse Frau auf sich aufmerksam. Mit der US-Radiosendung «Sexually Speaking» erregte die gebürtige Deutsche Dr. Ruth Westheimer (heute 85) nicht nur in Amerika, sondern weltweit Aufsehen. Noch nie hatte sich jemand getraut, so offen und explizit über Sexualität zu plaudern. Selbstredend bescherte die spätere Fernsehsendung «The Dr. Ruth Show» dem US-Sender Traumquoten. Das brachte das Schweizer Fernsehen auf die Idee, auch so eine Ratgebersendung mit der US-Sex-Koryphäe zu produzieren. Gesagt, getan. Unter dem Titel «Dr. Ruth» sollten insgesamt elf Sendungen ausgestrahlt werden. Doch oha lätz – die «DRS Ratgeber»-Redaktion hatte nicht mit der Programmkommission gerechnet. Die betitelte das Format «als völlig deplatziert und niveaulos». Anscheinend hatte sich die quirlige New Yorkerin mit ihren handfesten Ratschlägen für Herr und Frau Schweizer im Ton vergriffen. «Dr. Ruth» wurde bereits nach zwei Sendungen abgesetzt: Ihr unverblümter Stil war allzu unschweizerisch. Die anderen neun Folgen verstauben irgendwo im SRF-Archiv.

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