«Alice contra Esther»
6. 2. 1975, WDR

Während an diesem Donnerstag im Rheinland die Weiberfasnacht tobte, liess der WDR zwei Flügelkämpferinnen der deutschen Frauenbewegung aufeinander los: Alice Schwarzer und Esther Vilar. Das Spezielle: Für die Talksendung mit dem schlichten Titel «Alice contra Esther» gab es weder ein Drehbuch noch einen Moderator bzw. eine Moderatorin.
Wie sich zeigte, brauchte es das auch nicht. Nach den üblichen Höflichkeitsfloskeln («Gut schauen Sie aus») legte Alice Schwarzer – wie nicht anders erwartet – gleich los, warf Esther Vilars Büchern (u. a. «Der dressierte Mann») Dummheit vor. Vilar, die «im Kampf der Emanzipierten eine Attacke auf die Würde der Frau» sah, quittierte die verbalen Angriffe mit einem stets freundlichen Lächeln, liess sich nicht provozieren. Im Gegenteil: Sie liess Schwarzer so ziemlich ins Leere laufen. Was nicht heisst, dass nicht die Fetzen flogen. Aber so lebhaft und dennoch freundlich waren noch nie zwei aufeinander losgegangen.
Die Zuschauerreaktionen waren zwar gross, und wie am Bildschirm schieden sich die Geister deutlich. Es wären aber sicher mehr Anrufer gewesen, wäre das Streitgespräch zur Primetime und nicht um 16.20 Uhr (!) ausgestrahlt worden.

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