Alle gedopt?

24. 9. 1988, 100-m-Final Männer, Seoul

Ein Sieg für die Ewigkeit. Ein Rekord für die Geschichtsbücher. Ben Johnson gewinnt 1988 in Seoul Olympiagold im 100-m-Final. Vor Carl Lewis. Mit 9,79 unterbietet der Kanadier zudem seinen eigenen Weltrekord. «Diese Zeit wird auch in 50 Jahren niemand brechen», prahlt Ben an der Pressekonferenz.
Der Rekord hielt genau drei Tage. Denn Johnson wurde positiv getestet. Die verbotene Substanz hiess Stanozolol – und der neue Sieger Carl Lewis.
Alles erledigt? Oh nein! Johnson stritt ab, Stanozolol geschluckt zu haben. Er gestand zwar den Konsum illegaler Steroide, mehr nicht. Vielmehr sei er Opfer eines Komplotts, in dem Carl Lewis eine tragende Rolle spiele. Ein Bekannter von Lewis habe Johnson das Stanozolol ins Bier geschüttet. Zwar konnte Ben Johnson es nie beweisen – aber auch Lewis’ Weste war nicht weiss: So wurde er bei den US-Trials 1988 positiv auf Aufputschmittel getestet, wie der 3. des Olympiafinals, Linford Christie (GB). Doch Lewis und Christie redeten den Funktionären ein, ohne Absicht gehandelt zu haben. Im Nachhinein bedeutete der Final von Seoul eine Zeitenwende. Seither läuft der Dopingverdacht bei jedem Sprint mit. Ben Johnson ist heute 52. Er engagiert sich für die Anti-Doping-Initiative «Choose The Right Track». (Gion Stecher)

Ben Johnson – The Race that Shocked the World – on Nuffin’Long TV
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Ben Johnson #choosetherighttrack
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