Gerade hat mein Telefon geklingelt. Die Zukunft war dran. Darum enthüllen wir hier, wie es mit «Wetten, dass…?» weitergeht. Totgesagte leben bekanntlich am längsten, Showleichen noch länger.

TELE-Chefredaktor Gion Stecher hat alles aufgeschrieben:

Wie es mit Wetten, dass weitergeht ... «Beverly Hills, März, 2016. 6 Uhr. George Clooney kann nicht schlafen, läuft in der Villa hin und her. Logisch, bei so viel Koffein im Körper, dauerte der Dreh für den Nespresso-Spot am Abend zuvor doch ewig. «George, come to bed», hört er aus dem Schlafzimmer … da läutet das Telefon. 

«Hello. Mr. Clooney? … I’m Thomas Belluth, Chief of the ZDF. Mr. Clooney, we are working for the comeback of a big TV-Show for 2016. And we want you to be our guest.»
Clooney muss gähnen. «Which show?» Belluth zögert kurz: «‹Wetten, dass …?›, very famous.» Spätestens jetzt wäre Clooney auch ohne Koffeinflash hellwach. Was hatte ihm Tom Hanks vor nicht langer Zeit erzählt? «George … sie setzten mir eine Hasenohren-Mütze auf! Und Gerard Butler kippten sie Eiswürfel in die Hose! Also: Wenn so ein Anruf aus Germany kommt, sag bitte nicht zu!»
Doch wurde die Show nicht 2014 abgesetzt? Ja. Aber wie sagte der ZDF-Guy? «Comeback». Und bevor Belluth «You still there?» fragen konnte, hängte Clooney abrupt auf. Jetzt brauchte er dringend was Stärkeres als einen Nespresso …
Mainz, März, 2016, 18.07 Uhr. Büro von Thomas Belluth, ZDF-Intendant. Erstaunt legt er den Hörer hin. «Und? Kommt George?», will der Mann neben ihm wissen. Belluth dreht seinen Kopf: «Klar, er freut sich, Johannes.» Das mit dem Lügen hab ich im Griff, dachte Belluth, während sein Gegenüber einen Jauchzer von sich gab. Clooney in seiner ersten Show! Das wird eine Mordsquote für Johannes B. Kerner. Lässig räkelt er sich im Sessel, grinst unaufhörlich.

Vorbei die Zeiten, als Kerner nach seinem Sat-1-Dekabel reumütig auf den Mainzer Lerchenberg pilgerte und bettelte: «Gebt mir eine Show, egal was! Kann auch peinlich sein.» Das war vor drei Jahren. Da herrschten im ZDF die Lanz- Spiele. Der flotte Markus war dauernd im TV präsent. Klar konnte es bei der Gottschalk-Nachfolge nur einen geben: «Sir Lanz-a-lot», wie sie ihm erfürchtig huldigten. Und Johannes? Der durfte Brosamen aufpicken. Erhielt irgendein belangloses Quiz. Natürlich nicht am Samstag, 20.15. Diese Ehre gebührte nur Lanz.
Nun, das Resultat ist bekannt: Klassenbester Lanz vergeigte alles. Dachte, «Wetten, dass …?» sei ein Polterabend und liess sich in Sphären nieder, die selbst RTL 2 niemals unterbot. Wie etwa beim Debakel am «Sommer-Wetten, dass …?»
2013. Wo u. a. Schauspieler Gerard Butler sich im Dichterstress Eiswürfel in den Schritt leeren musste. Von diesem Moment an war klar, dass Lanz das Showflaggschiff versenkt hatte. Die Abdankung eine Frage der Zeit. In der Tat: Am 13. 12. 2014 schloss Lanz die Wettpforten – für immer, meinte man.
Eigentlich dachten ja nun alle, der Spuk sei vorbei. Jetzt nach vorne schauen. Und die freien Programmplätze mit vielen neuen Hits füllen. Machen wir es kurz: Das ZDF agierte dabei ähnlich erfolgreich wie Namibia an einer Winterolympiade. Eine Vorher-Nachher-Show mit Michelle Hunziker – Fazit: Bloss das Décolleté war noch tiefer als die Quote. Ein Andrea-Kiewl-Fernsehabendgarten spezial – welk wie eine Sonnenblume im Winter. Auch das «Supertestertalent» mit Christian Rach mundete niemandem.
Damit nicht genug. Bedingt durch die Kreativitätsarmut, wurden die Einsätze der letzten ZDF-Trümpfe Carmen Nebel und Helene Fischer brutal hochgeschraubt. So begrüsste Nebel in einem Monat Mireille Mathieu, Semino Rossi oder Gabalier. Und den Monat darauf gleich wieder. Geradezu atemlos die Einsätze von Fischer. Doch da Mathieu/Rossi/Gabalier bereits bei Nebel im Akkord trällerten, blieben ihr meist nur noch Mehlwurmpopper Ross Anthony oder Krächzsirene

Carmen Geiss. Kurz, eine Gästeliste so exklusiv wie ein Ausverkauf bei Media Markt. Arme Helene! Zumal sie sich mit einem neuen Assistenten rumzuschlagen hatte: Andy Borg. Vom Stadl verschmäht, (wo ihn Stefan Mross wegschunkelte) mit Helene vermählt. Fünf Shows später warf Fischer entnervt die Angel hin und wechselte erleichtert in die DSDS-Jury.
Allein auf sich gestellt, kollabierte kurz darauf Nebel in ihrem Hosenanzug und bot sich danach HSE24 als Billigklunkerverkäuferin an. Hauptsache, weg aus der Lerchenberg-Hölle – wo die Stimmung beschwingt war wie in einem Brauhaus ohne Bier. «Kiwi» flüchtete in die Dschungelshow und Rach wurde Chefbrutzler von Burger King.
Klar, es musste dringend etwas geschehen! Belluth und sein Team sassen ratlos im Sitzungsraum und studierten die Quoten der Konkurrenz. Alle räumten ab. Und dies auch noch mit bekannten Formaten. RTLs Show «Wer wird Wettmillionär?» – ein Hit. «Wett-TV-total» – gigantisch. Joko & Klaas’ «Wettcircus Halligalli» – furios. Wie Geier haben sie damals die ZDF-Showleiche ausgeweidet. Nach der Devise: Schön blöd, Mainzer, wenn ihr uns 6 Millionen Zuschauer überlässt …
Selbst der Praktikant im Team wusste, es gab nur einen Ausweg – das Comeback von «Wetten, dass …?» Belluth nickte. «Doch wie erklären wir es der Öffentlichkeit, ohne das Gesicht zu verlieren? Ach, wäre es schön, wenn der Wunsch von aussen käme!» Nur wer sollte das sein? Da klingelte Belluths Handy. «Hallo Thomas, hier ist Christoph Gebel aus der Schweiz.» «Hallo, na wie geht es dem Unterhaltungschef von SRF?» «Gut. Du, ich brauche dringend was für unseren Samstagabend, aber für einmal ohne Trachten, Landfrauen, Kühe oder Bläser. Weisst du, etwas im Stile von ‹Wetten, dass …?› damals …» Belluth wollte schon gereizt «leider nein» sagen, dann kam ihm die erlösende Eingebung. «Gut möglich, lieber Christoph. Wir melden uns bei dir.»
Da war er, der Wunsch von aussen. Und kaum hatte Belluth die Leitung beendet, schrieb der Pressechef die Medienmitteilung: «SRF-Unterhaltungschef fordert Rückkehr von ‹Wetten, dass …?›.»
Belluth musterte amüsiert die Zeilen. Sogar einen neuen Namen hatten sie bereits in petto. «Wettissimo». Abgeleitet von so einer Schweizer Ex-Show, die damals auch trotz super Quoten freiwillig abgesetzt wurde. Für die Moderation konnte es natürlich nur einen geben (es war ja nur noch einer übrig): Kerner.
Samstag, 10. Dezember, 2016, 20.15. Johannes B. begrüsst zum ersten «Wettissimo». Selbst Clooney liess sich am Ende überreden. Allerdings wirkte er total überdreht und futterte das ganze Catering weg. Später erfuhr man, dass Clooney vor dem Abflug mit Michael Bublé telefoniert hatte. Der Sänger war ja auch mal Gast. Nach der Show sagte er: «Der einzige Weg, um ‹Wetten, dass …?› zu überleben, ist vor der Sendung Marihuana zu rauchen.»